Mount Fuji

28. Oktober 2008

Hallo!

Wenn man in Japan ist, vor Allem als Tourist, MUSS man ja praktisch ein mal auf den 3776m hohen Mt. Fuji, das Wahrzeichen Japans. Saison dafür ist zwar eigentlich nur im Sommer, aber was soll’s haben wir drei dummen Deutschen uns gedacht… Wärmer wird’s nicht mehr, solange wir hier sind.

Unser Plan für vergangenes Wochenende sah so aus: Am Freitag nach der Arbeit mit diversen Bussen und Bahnen nach Tokyo. Von da aus mit dem Bus weiter nach Kawaguchiko, einer Kleinstadt am Fuß des Fuji. Während der Saison fahren von hier aus praktisch rund um die Uhr Busse zur 5th Station auf 2300m, dem Ausgangspunkt der meisten Bergbesteigungen. Wir wollten also Freitag Abend da rauf fahren, die restlichen paar Meter bis zum Gipfel klettern, uns da den Sonnenaufgang anschauen und dann wieder runter zur 5th Station laufen um von dort dann Samstag Mittag wieder Richtung Tomioka zu starten. Soweit der Idealplan… Dass die Busse im Oktober nur noch zwischen ca. 10.00 und 16.00 Uhr fahren wussten wir, dank ausführlicher Recherche schon vorher. Macht nichts, haben wir gedacht, nehmen wir halt ein Taxi nach oben!

Bis zur Ankunft in Kawaguchiko ist der Plan auch einwandfrei aufgegangen und wir waren gegen 22.00 Uhr dort. Dann wollten wir uns ein Taxi suchen. Der Taxistand am Bahnhof erschien uns dafür ein ganz guter Platz. Wir haben dann auch noch direkt eins wegfahren sehen, also hat das auch schon gepasst, nur war das wohl das einzige Taxi, dass unterwegs war. Auf die Frage, ob sie uns ein Taxi rufen könnte, hat die gute Frau am Bahnhof nur irgendwas von „wait“ erzählt. Also haben wir eine knappe halbe Stunde gewartet und es ist tatsächlich wieder ein Taxi erschienen. Mit Hilfe einer Karte und ein paar Brocken Englisch konnten wir dem Fahrer halbwegs verständlich machen, wo wir hin wollten. Der hat aber immer wieder nur mit dem Kopf geschüttelt und „Road crossedu“ gesagt. Irgendwann sind wir drauf gekommen, dass er wohl „road closed“ meint und uns nicht hoch bringen kann/will.

Auf der Suche nach einem anderen Transportmittel zur 5th Station hat uns eine nette Familie aufgegabelt und uns bestätigt, dass die Straße zur 5th Station wirklich über Nacht gesperrt ist und wir wohl wirklich keine Chance hatten nach oben gefahren zu werden. Sie waren dann auch noch so freundlich uns zu einem Hostel in der Nähe zu fahren. Wir, immer noch optimistisch, haben gedacht: Klar! In ’nem Hostel sind bestimmt noch mehr, die auf den Fuji wollen oder schon oben waren oder zumindest wissen, wie man rauf kommen könnte. War aber nicht so. Niemand. Der Einzige, der da war, war der Besitzer, ein alter, immerhin Englisch sprechender Mann, den wir aus dem Schlaf klingeln mussten. Der hat uns dann auch erst mal für verrückt erklärt und gemeint, dass wir, wenn überhaupt, dann nur tagsüber zur 5th Station kommen könnten und der Aufstieg von da dann auch nur bis zur 7. der 10 Stationen möglich und erlaubt wäre. Da haben wir dann doch kurzfristig aufgegeben und uns für je 4000 Yen, also rund 30€, ein Zimmer genommen.

Nach einer halben Stunde überlegen und feststellen, dass samstags wohl auch nicht mehr drin wäre, als ungefähr einen Kilometer von der 5. zur 7. Station zu laufen, haben wir uns entschlossen einfach zur 5th Station zu laufen! Dem zum zweiten Mal aus dem Bett geklingelten Hostel-Besitzer zu Folge sollten das 20km Weg und 1500m Höhenunterschied sein.

Also sind wir so gegen 23.00 Uhr mit vollbepackten Rucksäcken los gelaufen. Das Wetter war eigentlich perfekt: Nicht zu warm, nicht zu kalt. Zwar ein bißchen neblig, aber da waren wir bald drüber. Nach 1,5 Stunden und nachdem wir die letzten Häuser hinter uns gelassen hatten, sind wir tatsächlich auf die erwähnte Straßensperre gestoßen. Gerechnet hatten wir mit einer Schranke oder einem Durchfahrt-verboten-Schild, aber stattdessen war da ein richtiger Zaun quer über die Straße gestellt mit einem Ranger-/Wachhäuschen nebendran. Umkehren wollten wir dann aber doch nicht mehr und sind einfach über den Zaun geklettert und von da an erst mal ohne unsere Stirnlampen weiter. War aber auch kein Problem, da Mond, Sterne und die umliegenden Städte auch so für genug Licht gesorgt haben.

Nach ein oder zwei weiteren Stunden auf der gut ausgebauten Straße, als wir gerade mal eine kurze Pause eingelegt haben, ruft plötzlich einer von uns „Achtung! Auto!“ und verschwindet im Gebüsch neben der Straße. Wir anderen zwei sind gleich hinterher und konnten so verhindern vom Ranger in seinem Laster gesehen zu werden. Der, sowie später auch eine Hand voll anderer Autos, haben uns dann im Lauf der Nacht so alle halbe Stunde immer mal wieder gezwungen uns im nächsten Graben bzw. hinter einem Busch zu verstecken. Wir hatten einfach Angst, dass die uns sonst nicht hätten weiter laufen lassen.

Früh um vier, also nach 5 Stunden Nachtwanderung, als wir eigentlich gedacht hatten schon bald an der 5th Station sein zu müssen, kam dann das erste Schild mit einer Entferungsangabe: 10km. Da wir da schon ganz schön geschafft waren, war das so ziehmlich das letzte was uns noch gefehlt hat. Später hat sich dann rausgestellt, dass es keine 20 sondern 30km waren, die wir zu laufen hatten… Aber gut, dass wir das vorher nicht wussten, sonst hätten wir uns das wahrscheinlich nicht angetan.

Als es dann hell wurde und immer häufiger Autos kamen, haben wir’s dann aufgegeben jedes Mal ins Gebüsch zu hechten. Zumal das mit zunehmender Müdigkeit bzw. allgemeiner Geschafftheit auch nicht gerade schmerzfreier wurde. Erwartungsgemäß hat aber kein Fahrer angehalten, sondern die meisten haben nur gegrinst. Die letzten 2km waren dann unglaublich weit, aber um halb acht waren wir dann endlich an der 5th Station.

Den Weg zur 7th Station haben wir uns dann allerdings, durchgeschwitzt und frierend wie wir waren, nicht mehr angetan, sondern haben in den verschiedenen Restaurants und Souvenir-Shops gewartet bis wir Mittags mit dem Bus wieder ins Tal fahren konnten. Für den Rückweg nach Tomioka haben wir dann dank ausgebuchter Busse bis abends um acht gebraucht, wobei wir noch mal 4 Stunden in Tokyo totschlagen mussten. Und das ist nicht einfach, wenn man nicht mehr richtig laufen kann und einschläft, sobald man sich hinsetzt…

Naja, nächstes Wochenende ist dann der Gipfel dran! … nein, nicht wirklich. Wobei’s schon Spaß gemacht hat, also wenn sich mal eine Gelegenheit ergibt… wer weiß? Vor Allem, weil’s mir am Sonntag eigentlich schon wieder verhältnismäßig gut ging.

Bilder gibt’s irgendwann vielleicht, allerdings sicher nicht viele, weil ja die meiste Zeit Nacht war…

Bis dahin schönen Gruß an Alle und sowieso!

PS.: Wow, das ist viel geworden… Sorry!

4 Antworten to “Mount Fuji”

  1. Johannes said

    Anarchie!!! Da sieht man es wieder! Diese Fremdlinge können sich einfach nicht an Regeln geschweige denn an Zäune halten… Sowas. Aber wenigstens hattet ihr ein bisschen Bewegung.

  2. Florian said

    Da hat der Johannes gscheit recht!!! In Germany kriegt man für nen Fußmarsch auf einen heiligen Berg wenigstens Sündenerlass….

  3. timo said

    Ihr klettert einfach über Zäune?!
    Coole Sache, habt ihr da großen Bammel gehabt das euch da einer entdeckt und dann vlt einknastet?
    Warum war da überhaupt gesperrt, habt ihr das rausgefunden? Etwa einfach so, weil halt eben keine Hauptsaison war?

    schöne Grüße aus L.E.

  4. Johannes said

    Ja, letztes Wochenende war wohl nix los, weil du nix schreibst… Ach zum über Zäune klettern – du weißt schon, daß es in Japan die Todesstrafe gibt. 😉 Vielleicht auch für die Entweihung eines heiligen Berges… ;P

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